Andere für die Jugendfeuerwehr gewinnen

Was macht die Jugendfeuerwehr für potentielle neue Mitglieder eigentlich interessant und was müssen Betreuer und Jugendwarte im Umgang mit Kindern und Jugendlichen wissen? Wie groß sind die Herausforderungen in der Arbeit mit 6 bis18-Jährigen?

Darauf gibt es eine ganz einfache Antwort! Gelingt es jedem Einzelnen, sich auf die Bedürfnisse und die Lebenswelten der jeweiligen Altersgruppen einzulassen - sind Einfühlungsvermögen, Verständnis und Interesse an der Jugendarbeit im Handgepäck, kann kaum noch etwas schief gehen!

Insgesamt können wir drei unterschiedliche Zielgruppen für die Jugendfeuerwehr ausmachen: Grundschulkinder im Alter von 6 bis 10 Jahre, die Schulkinder und Jugendlichen (bis 18 Jahre) sowie die Eltern der Kinder bzw. Jugendlichen. Die letzte Zielgruppe - die Eltern - wird oft vernachlässigt, dabei spielen die Eltern oftmals eine wichtige Rolle. Den sie entscheiden, ob ihr Kind überhaupt Mitglied in der Jugendfeuerwehr werden darf.

Unsere Tipps zur optimalen Ansprache von:

Was unterscheidet die unterschiedlichen Zielgruppen? Was muss beachtet werden?
Gerade bei den Kleinsten ist die Lebenswelt durch das Suchen nach dem eigenen Platz in der Welt gekennzeichnet. Dennoch löst der Drang nach Abenteuer, Action und Abwechslung das enorme Bedürfnis nach Sicherheit und Geborgenheit nicht ab. Im Vergleich zu den Schulkindern wird deutlich, dass nun der Fokus auf der Suche nach der eigenen Identität liegt und die Jugendfeuerwehr nicht nur als Vorbild, sondern auch als aktive Bezugsperson dient. Bei beiden Zielgruppen ist es daher ausnahmslos wichtig den Schützlingen mit Verständnis und Akzeptanz entgegenzutreten. Aufkommende Fragen jeder Art müssen mit dem notwendigen Ernst behandelt und beantwortet werden.

Im Grundschulbereich verstärkt sich das Wettbewerbsdenken, welches sich im Verlauf der nächsten Jahre noch stärker ausbreitet. Das Messen mit Bezugspersonen sowie das Nacheifern und Vergleichen ist ein entwicklungstypischer Begleiter. Wann, wenn nicht hier, können Kinder und Jugendliche lernen gruppenorientiert zu arbeiten. Kameradschaft und Teamgeist können spielerisch gelebt, neue Freundschaften geschlossen werden. Haben Freunde im Grundschulalter neben der Familie noch die zentrale Rolle, verändert sich diese Wahrnehmung während der Jugendfeuerwehrzeit. Sind die Kleinsten noch im Entdecken einer neuen Welt verankert und auf der Suche nach starker sozialer Zugehörigkeit, streben Schulkinder eine gezielte Eigenständigkeit an. Freunde und Familie gehören zwar noch immer zur Lebenswelt, stärken aber eher den Rücken und beraten bei anstehenden Entscheidungen. Auch die Jugendfeuerwehr kann hierbei unterstützen.

Hin- und hergerissen zwischen den Bemühungen um Unabhängigkeit und Selbstständigkeit benötigt aber gerade die Altersgruppe der 16- bis 18-Jährigen ein hohes Maß an Stabilität. Der Übergang zum neuen Lebensabschnitt bringt mehr Aufgaben, Verantwortung und Stress mit sich. Auf dem Weg zu einem selbstständigen, emotional unabhängigen Menschen können sie gerade in der Jugendfeuerwehr unterstützt werden. Die intensive Vorbereitung auf die Truppmannausbildung und die gemeinsame Gestaltung vereinzelter Ausbildungsdienste im Jugendfeuerwehrbereich zeigen auch eure Wertschätzung den Jugendlichen gegenüber. Schlagworte wie „Selbstvertrauen geben“, „Eigeninitiative fördern“, „Achtung und Respekt“ sollten jeden Betreuer und Jugendwart in der Jugendarbeit vor Ort begleiten. Egal wie alt unsere Schützlinge sind, Kommunikation auf Augenhöhe und Beteiligung sollten unserer ständigen Begleiter sein.

Gelingt es uns dann noch die Eltern gezielt mit einzubeziehen und Ihnen auch gleichzeitig als Partner zu fungieren, geben wir nicht nur den Jüngsten starken Rückenhalt, sondern schaffen uns eine Möglichkeit der Unterstützung von außen. Schon bei der Suche nach neuen Mitgliedern muss euch bewusst werden, dass gezieltes Einbeziehen von Kindern und Jugendlichen der Schlüssel zu mehr Beteiligungsstruktur in der Feuerwehr darstellt. Potentielle neue Mitglieder müssen sich bei euch aufgehoben, unterstützt und wertgeschätzt fühlen, damit sie den Schritt in dieses neue Hobby wagen!

Mehr Informationen über die Zielgruppen und deren erfolgsversprechenden Ansprache findet Ihr in unseren Handlungsempfehlungen. Schaut auch einmal in unsere Rezepte-Sammlung, dort findet Ihr ganz viele Ideen für konkrete Maßnahmen.