Unsere Zielgruppen

Für die Feuerwehren und Jugendfeuerwehren lassen sich folgende wesentliche Zielgruppen bei der Gewinnung von neuen Mitgliedern ausmachen:

Jede Zielgruppe befindet sich in einer bestimmten Lebenssituation, hat eigene Bedürfnisse und Interessen. Die Zielgruppen-Ansprache gelingt, wenn wir die Menschen in ihrer konkreten Lebenssituation (bspw. im Arbeitsleben stehend, dadurch auf flexiblere Angebote angewiesen) mit deren Interessen (z. B. Technik, Sport usw.) ansprechen und ihre Bedürfnisse (nach Anerkennung, einer sinnvollen Freizeitbeschäftigung o. Ä.) bei den Feuerwehren bzw. Jugendfeuerwehren befriedigen können.

Grundschulkinder
Kinder stellen ihre Familien und ihre Freunde über alles. Das Knüpfen und Pflegen von sozialen Kontakten ist ihnen daher besonders wichtig. Außerdem spielt der Umgang mit Medien aller Art in diesem jungen Alter schon eine Rolle – allerdings vor allem auf eine spielerische Art und Weise. Handys, Computerspiele oder Fernsehsendungen erfreuen sich extrem großer Beliebtheit. Auch der Sport ist ein wichtiges Interessensgebiet. So sind Kinder heute von klein auf in vielen Vereinen, Kursen und regelmäßigen Freizeitaktivitäten eingebunden.

Generell sind Grundschulkinder besonders aktiv und vielem gegenüber aufgeschlossen – Hauptsache es ist spannend und macht Spaß. Sicherheit und Geborgenheit spielen eine weitere wichtige Rolle – die Kinder müssen sich bei der Feuerwehr wohlfühlen und sich ohne Angst ausprobieren können. Dafür ist es notwendig, dass die Heranführung kindgerecht erfolgt und Spielraum für andere Aktivitäten (z. B. Spielen und Sport) gegeben ist.

Um Kinder für die Jugendfeuerwehren gewinnen zu können, sollte die Ansprache auf ihre ganz konkreten Wünsche und Bedürfnisse ausgerichtet werden. Dabei ist zu beachten, dass die Eltern einbezogen werden (siehe Zielgruppe 2.4 Eltern), denn sie haben gerade in dieser Altersgruppe noch einen entscheidenden Einfluss darauf, welche Angebote ihre Kinder wahrnehmen. Im Idealfall können sie sogar die Arbeit der Jugendfeuerwehren unterstützen (z. B. als Betreuer oder Aufsichtspersonen bei Fahrten und Zeltlagern).

Schulkinder
Jugendliche auf dem Weg zum Erwachsenwerden sind zunehmend weniger an Spiel und Familie interessiert. Sie fangen an, sich gesellschaftlich zu integrieren und als Persönlichkeit zu reifen. Für sie ist es wichtig, selbstständiger zu werden und ihren eigenen Platz zu finden. Nicht zuletzt beginnt in dieser Altersgruppe die Pubertät – neben all der hormonellen Verwirrung ist dies vor allem eine Zeit der Sinn- und Identitätssuche.

Für diese Zielgruppe muss die Feuerwehr in erster Linie Vorbild sein und gleichzeitig anziehend wirken. Aus Befragungen geht  hervor, dass  Jugendliche  in  dieser  Altersgruppe  sehr  auf  ihre Freundschaften (zumeist mit Gleichaltrigen) fixiert sind. Der Freundeskreis ist oftmals wesentlich weiter gefasst als der reine Klassenverband. Neu bei dieser Zielgruppe auch der Fokus auf die erste Liebe und Musik. Da diese Veränderungen viel Unsicherheit und stark schwankende Gefühle mit sich bringen, suchen die Heranwachsenden verstärkt Vorbilder und Bezugspersonen, die Verständnis und Akzeptanz für sie aufbringen.

Vor allem männliche Teenager neigen zudem dazu, sich ausprobieren und beweisen zu wollen und gehen dabei teilweise bis an ihre körperlichen Grenzen.

Azubis und Studenten
Auszubildende und Studenten sind im Übergang in eine neue Lebensphase. Das plötzliche Mehr an Aufgaben, Stress und Verantwortung, die eine Ausbildung, ein Studium oder der erste Job mit sich bringen, sprechen objektiv gegen ein freiwilliges Engagement. Auch die ersten Beziehungen und der Wunsch nach entspanntem Spaß und Feiern in der Freizeit tun ein Übriges.
 
Weiterhin sind es die Freunde, die das Hauptinteresse dieser Zielgruppe darstellen. Dazu geht jedoch der Blick vermehrt in Richtung der eigenen Karriere und Gesundheit. Es sind somit viele Ansprüche, denen diese Zielgruppe genügen muss. Umso mehr müssen diese jungen Menschen jetzt angesprochen werden. Es ist wichtig, sie daran zu erinnern, dass ihre Unterstützung gebraucht wird und auch der Kontakt muss gehalten werden, wenn die jungen Menschen den Ort (zeitweise) verlassen. Wichtig ist es, an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass es nicht immer möglich ist, Azubis und Studenten im Ort zu halten. Generell soll ihr Engagement fortgesetzt werden, ob nun zuhause oder am Ausbildungsort.

Eltern
Eltern wollen ihre Kinder bestmöglich versorgen und erziehen. Teilweise haben sie aber heutzutage dazu wenig Zeit, besonders wenn beide Elternteile berufstätig sind oder es sich um Alleinerziehende handelt. Da die Feuerwehr einen hervorragenden Ruf genießt, kann sie hier ein attraktiver Partner für Eltern sein. Bei der Freiwilligen Feuerwehr sind die Kinder nicht nur gut aufgehoben und betreut, sondern erhalten auch eine hervorragende Werteorientierung. Dies muss den Eltern lediglich vermittelt werden. Zusätzlich müssen Wege gefunden werden, speziell die Eltern zu erreichen. Sie sind darüber hinaus aber auch eine eigene, direkte Zielgruppe für die Mitgliedergewinnung (ausführlich aufgegriffen in der Kampagne „Mach Dein Kind stolz“ des LFV Bayern,www.mach-dein-kind-stolz.de).

Quereinsteiger
Die Quereinsteiger sind eine sehr gemischte Gruppe. Aus diesem Grund sollte eine allgemeine Willkommenskultur entstehen, bei der jeder Interessent ohne Vorbehalte im Hinblick auf seine Herkunft, sein Aussehen, sein Geschlecht oder seine sexuelle Orientierung mit offenen Armen bei der Feuerwehr empfangen wird. Zudem sollte jedem neuen Mitglied vermittelt werden, dass seine Teilnahme eine Bereicherung darstellt. Das beginnt damit, Fragen offen zu beantworten, geht über die umfassende Unterstützung bei der Ausbildung und reicht bis hin zu demonstrativen Gesten wie speziellen Willkommensritualen und Einladungen zu Feiern. Eine besondere Untergruppe stellen Hinzugezogene dar. Sie sind in der Regel auf der Suche nach neuen Freund- und Bekanntschaften. Hier kann die Feuerwehr gut ansetzen und neue Mitglieder durch eine rasche Integration in die Ortsgemeinschaft gewinnen.

Eine oft unterschätzte Zielgruppe sind die bereits Aktiven. Menschen, welche sich zum Beispiel bereits in Vereinen engagieren, sind meist eher dazu zu bewegen, weitere gesellschaftliche Verpflichtungen einzugehen. Die bereits aktiven Menschen sind vor allem in Sportvereinen, Kirmes- und Karnevals- und anderen heimatverbundenen Vereinen sowie bei karitativen Einrichtungen, Jugendclubs oder Selbsthilfegruppen zu finden. Ein enges Netzwerk und gegenseitige Unterstützung unter diesen Einrichtungen ist der Schlüssel, um einen gemeinsamen Zugang zu den aktiven Menschen zu finden.

Wiedereinstiger
Gründe für einen Bruch mit dem früheren Ehrenamt gibt es viele. Umzug, berufliche Verpflichtungen oder die Betreuung der eigenen Kinder – oft tritt das freiwillige Engagement im Alltag in den Hintergrund. Dennoch kann die Freiwillige Feuerwehr kaum einfacher an bereits ausgebildete Feuerwehrleute herankommen.

Die konkreten Gründe für ein Fernbleiben von Kameraden können jedoch nur im persönlichen Kontakt erfragt werden. Darum müssen die Ortsfeuerwehren aktiv Verbindungen zu potenziellen Wiedereinsteigern aufnehmen.

Menschen mit Migrationshintergrund
Für Migranten, die dauerhaft in Deutschland leben wollen, spielt das Thema Integration eine wichtige Rolle. Wer nicht in einer Parallelgesellschaft leben möchte, muss sich mit den Werten und Traditionen der neuen Heimat auseinandersetzen.

Der Dienst in der Freiwilligen Feuerwehr ist hierfür eine perfekte Chance zur Integration und erleichtert es, neue Freund- und Bekanntschaften zu knüpfen. Dafür muss sich die Feuerwehr offen und einladend präsentieren und gewillt sein, Barrieren und Schwellen gemeinsam zu überwinden.

Generation 60+
Viele ältere Menschen sind auch mit mehr als 65 Jahren noch in der Lage, einen sinnvollen Beitrag zum Dienst in der Freiwilligen Feuerwehr zu leisten. Viele von ihnen wollen nicht einfach ausscheiden, sondern wünschen es sich, weiter gebraucht zu werden. Gerade im Bereich der Bildung und Öffentlichkeitsarbeit, aber auch als Mentoren und Unterstützer werden erfahrene Menschen gebraucht, die im Gegenzug nicht aus der aktiven Einsatzarbeit abgezogen werden müssen.

Hier sind Aktive – nicht neue Mitglieder – gemeint, die beim Übergang in die Alters- und Ehrenabteilung entsprechende Aufgaben übernehmen können. Darüber hinaus ist auch denkbar, die Großeltern der Jugendfeuerwehrangehörigen oder andere interessierte Rentner (ggf. ehemalige Lehrer und Erzieher) für die unterstützende Betreuung zu gewinnen.